Tobias, Koch und Berufsbildner · Küchentechnik & Praxis
Rindsfett ist der Oberbegriff für das Fett vom Rind. Talg ist daraus ausgelassenes, also geschmolzenes und gereinigtes Fett, das beim Abkühlen fest und weisslich wird. Nierenfett ist das rohe, besonders feste Fett rund um die Nieren und der beste Rohstoff für Talg. Alle drei vertragen hohe Temperaturen und geben Gebratenem einen kräftigen, leicht fleischigen Geschmack.
Der Codex Alimentarius, die internationale Lebensmittelnorm von FAO und WHO, unterscheidet bei Rinderfett zwei Produkte. Premier jus wird bei niedriger Hitze aus frischem Fett von Herz, Netz, Nieren und Gekröse ausgelassen, das direkt bei der Schlachtung anfällt. Speisetalg stammt aus übrigem sauberem Fettgewebe, auch aus Abschnitten, von Rind oder Schaf. Nierenfett selbst ist der Rohstoff: fest, trocken und bröselig, im Englischen Suet. In der britischen Küche wird es roh gehackt in Puddings, Füllungen und Teige gearbeitet. Talg dagegen ist bereits geschmolzen und gefiltert und damit ein reines Fett ohne Gewebe. Wie Fleischteile und Verarbeitungsstufen in der Schweiz eingeteilt werden, zeigt der Beitrag zu den Kategorien der Fleischerzeugnisse.
Das Prinzip ist dasselbe wie beim Schmalz. Rohes Nierenfett wird von Häuten befreit, klein gewürfelt oder durch den Wolf gelassen und bei niedriger Hitze langsam geschmolzen, mit etwas Wasser im Topf, damit nichts anbrennt. Das flüssige Fett wird durch ein feines Tuch abgegossen, die festen Reste bleiben zurück. Je tiefer die Temperatur, desto heller und milder wird der Talg, genau das beschreibt auch die Norm beim Premier jus. Beim Abkühlen erstarrt er zu einem festen Block, der sich kühl und dunkel lange hält. Rohes Nierenfett bestellst du am besten beim Metzger vor, weil es selten in der Auslage liegt.
Laut der amerikanischen Nährwertdatenbank FoodData Central besteht Rindertalg pro 100 g aus rund 50 g gesättigten, 42 g einfach ungesättigten und nur 4 g mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Je mehr ungesättigte Fettsäuren ein Fett enthält, desto schneller oxidiert es beim Frittieren, wie eine Übersichtsarbeit zur Chemie des Frittierens zeigt. Ein Fett mit vielen gesättigten Fettsäuren bleibt in der Pfanne und in der Fritteuse deshalb länger stabil. Dazu kommt der Geschmack: Fleischige, geröstete Noten verstärken die Röstaromen, die bei der Maillard-Reaktion entstehen. Für die Temperatur gilt bei tierischem Fett dasselbe wie bei Öl: Lebensmittelbehörden raten, in der Fritteuse 175 °C nicht zu überschreiten und Kartoffeln nur goldgelb auszubacken, damit möglichst wenig Acrylamid entsteht. Das BLV fasst es als «Vergolden statt Verkohlen» zusammen.
Rindsfett eignet sich auch für Frites. Belgische Frites werden traditionell zweimal gebacken, zuerst bei tieferer, dann bei höherer Temperatur. Auch zum scharfen Anbraten von Fleisch und zum Rösten von Kartoffeln und Wurzelgemüse wird es geschätzt. In den Aromakompass-Daten steht Rindsfett neben Rindfleisch vor allem mit Burgunder, Kochsherry und Rindsfond zusammen, also mit klassischen Partnern für Schmorgerichte und Saucen. Vergleichst du tierische Fette, findest du bei Schweinsschmalz ein weicheres, neutraleres Fett und bei Ghee ein Butterfett mit nussigen Noten.
Rohfett: Nierenfett beim Metzger bestellen, kühl lagern und innert weniger Tage verarbeiten oder einfrieren.
Talg: Luftdicht, kühl und dunkel aufbewahren, dann hält er lange. Riecht er ranzig, gehört er weg.
Nach dem Frittieren: Das abgekühlte Fett durch ein feines Sieb oder Tuch giessen. Zurückgebliebene Krümel verbrennen beim nächsten Erhitzen und lassen das Fett schneller verderben.
Frittierfett wechseln: Riecht das Fett stechend, schäumt es stark oder ist es dunkel geworden, wird es ersetzt.
Portionieren: Talg lässt sich in Würfel schneiden und portionenweise einfrieren.
Kennzeichnung: Für Gäste mit vegetarischer Ernährung oder bei religiösen Vorgaben die Verwendung von Rindsfett auf der Karte angeben.
Wie Röstaromen von Kaffee bis Brotkruste entstehen, vertieft der Beitrag zu gerösteten Aromen.