Fachkunde / Klassische Bezeichnungen
Garnituren, Gerichte, Saucen und Cocktails der klassischen Küche und Bar zum Nachschlagen für Lehrabschluss, Fachausweis und Diplom. Pro Bezeichnung: was dazugehört oder was sie bedeutet, woher der Name kommt und wer es festgelegt hat.
681 Bezeichnungen in 10 Rubriken.
Escoffier, Larousse
Gerichte, Torten, Gebäck
Klassiker beider Küchen
IBA-Cocktails, Sangría, Glühwein
Für die meisten Garnituren und klassischen Gerichtsnamen gibt es kein Gesetz. Massgeblich sind die Werke, nach denen Generationen von Köchen ausgebildet wurden.
Marie-Antoine Carême (1784 bis 1833) ordnete als Erster die Saucen. In «L'Art de la cuisine française au XIXe siècle» (1833) unterschied er grosse und kleine Saucen: vier grosse (Espagnole, Velouté, Allemande, Béchamel), aus denen die kleinen abgeleitet werden. Das Wort «Muttersaucen» benutzte er selbst nicht.
Auguste Escoffier (1846 bis 1935) schrieb mit Philéas Gilbert, Émile Fétu und weiteren Köchen «Le Guide Culinaire» (1903, 2. Auflage 1907). Er strich die Allemande aus den Grundsaucen, nahm Tomate und Hollandaise auf und legte für Hunderte Garnituren genau fest, was dazugehört. Wenn heute jemand sagt, «Henri IV» heisse Artischockenböden mit Nusskartoffeln, stammt das aus diesem Buch. Escoffier ist darum hier die Hauptquelle; seine Bücher sind gemeinfrei, jede Angabe ist mit Rezeptnummer belegt.
Der Larousse Gastronomique (ab 1938, begründet von Prosper Montagné) sammelte die Begriffe später, prüfte Herkunftsgeschichten und kennzeichnete Legenden als solche. Verwendet wird hier die Ausgabe 1996/97, sinngemäss und nicht im Wortlaut.
Paul Bocuse und die Nouvelle Cuisine haben die klassischen Namen nicht festgelegt, sondern leichter gekocht und eigene Gerichte geschaffen. Für die Klassiker sind Carême, Escoffier und Larousse die richtigen Quellen.
Deutschland: Die Leitsätze des Deutschen Lebensmittelbuchs beschreiben die Verkehrsauffassung, etwa dass Wiener Schnitzel paniertes Kalbsschnitzel ist oder dass in der Schwarzwälder Kirschtorte Kirschwasser deutlich schmeckbar sein muss.
Österreich: das Österreichische Lebensmittelbuch und das Register der traditionellen Lebensmittel des Landwirtschaftsministeriums, mit Herkunft und Geschichte.
Schweiz: geschützte Ursprungsbezeichnungen (AOP und IGP) und ein nationales Inventar des kulinarischen Erbes, das beschreibt, aber nichts vorschreibt.
Italien und Spanien: EU-Spezialitäten wie die Pizza Napoletana (garantiert traditionelle Spezialität), ein Ministerialdekret von 2005 für Panettone, Pandoro und Colomba; die Paella valenciana ist seit 2021 immaterielles Kulturgut der Region Valencia, ein Rezept legt das Dekret aber nicht fest.
| Muster | Bedeutung | Beispiele |
|---|---|---|
| Ort, für ein Produkt bekannt | Die Zutat kommt von dort oder ist dort typisch | Argenteuil (Spargel), Clamart (Erbsen), Crécy (Karotten), Nantua (Flusskrebse), Périgueux (Trüffel), Vichy (Karotten) |
| Widmung an eine Person | Gast, Gönner, Künstler oder Höfling | Rossini, Melba, Pojarski, Béchamel, Colbert, Du Barry, Choron |
| Beruf oder Stand | Art der Zubereitung | meunière (Müllerin: gemehlt), boulangère (Bäckerin), bonne femme (Hausfrau), jardinière (Gärtnerin), bouquetière (Blumenhändlerin), financière (reich) |
| Ereignis oder Werk | Schlacht, Oper, Theaterstück | Marengo, Belle-Hélène (Offenbach 1864), Thermidor (Sardou 1894) |
| Ort der Entstehung | Restaurant oder Stadtviertel | Foyot, Bercy (Weinquartier in Paris) |
Quellenlage hoch: Was dazugehört, ist in der Primärquelle nachgelesen (meist Escoffier mit Rezeptnummer). Mittel: Der Kern ist belegt, die Geschichte unsicher. Niedrig: keine eindeutige Festlegung, darum steht auch keine Quelle.
Bei «Woher der Name kommt» stehen oft mehrere Geschichten. Jede trägt einen Stempel: belegt, überliefert, umstritten oder Legende.
Quellen stehen als Werk, Jahr und Fundstelle, ohne Link. Nachschlagewerke werden sinngemäss wiedergegeben, nicht im Wortlaut.