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Klassiker aus Italien und Spanien

Klassiker der italienischen und spanischen Küche. Einige Bezeichnungen sind rechtlich geschützt (Pizza Napoletana als garantiert traditionelle Spezialität), andere beruhen auf hinterlegten Referenzrezepten, die kein Gesetz sind.

31 Bezeichnungen. So liest du die Einträge

Pastasauce · Amatrice, Monti della Laga (Latium), Italien, Tomate seit Anfang 19. Jahrhundert; ältere weisse Form der Hirten

Amatriciana (Spaghetti all'amatriciana)

Quellenlage hoch

Was dazugehört

  • Guanciale (Schweinebacke) nach Amatriciana-Art, mindestens 30 Tage gereift, 18 bis 30 %
  • Tomatenpassata und/oder geschälte Tomaten 69 bis 81 %
  • Olivenöl extra vergine 0,5 bis 1 %
  • Weisswein, Salz, Peperoncino und/oder Pfeffer

Oft dabei, aber kein Muss

  • Pecorino nach Amatriciana-Art oder Pecorino Romano DOP gerieben (in der Spezifikation empfohlen, nicht Pflicht)
  • Spaghetti in Amatrice; in Rom oft Bucatini

Häufige Fehler

  • Zwiebel, Knoblauch oder Pancetta: Die Spezifikation hält ausdrücklich fest, dass sie nicht hineingehören.
  • Speck statt Guanciale.

Woher der Name kommt

  • überliefert: Hirten der Monti della Laga nahmen auf die Transhumanz (Mai bis September) haltbare Vorräte wie Guanciale und Mehl mit; mit dem Aufkommen der Tomate Anfang des 19. Jahrhunderts entstand daraus in Amatrice die rote Sauce. (Europäische Kommission; Ministero delle politiche agricole (Italien))

Varianten und Ableitungen

Gricia (Amatriciana bianca)
Die ältere Form ohne Tomate: Guanciale, Pecorino, Pfeffer.

Festgelegt durch

Durchführungsverordnung (EU) 2020/395, garantiert traditionelle Spezialität «Amatriciana Tradizionale». Vorher Rezept der Gemeinde Amatrice (De.Co., 2015).

  • Europäische Kommission; Ministero delle politiche agricole (Italien), Durchführungsverordnung (EU) 2020/395 vom 6.3.2020, «Amatriciana Tradizionale» g.t.S./STG; Disciplinare in der Gazzetta Ufficiale Nr. 93 vom 8.4.2020

Zutaten im Lexikon: Speck, Pecorino, Weisswein, Tomate, Pasta

Grillgericht · Florenz, Toskana, Italien

Bistecca alla fiorentina

Quellenlage mittel

Was dazugehört

  • T-Bone vom Rind (Vitellone), klassisch Chianina, mit Filet und Rücken
  • dick geschnitten (rund drei Finger, 3 bis 5 cm)
  • über Holzkohle gegrillt, innen blutig
  • erst nach dem Grillen gesalzen, mit Olivenöl

Woher der Name kommt

  • Legende: Der Name komme von englischen Reisenden, die am Fest des San Lorenzo «beef steak» riefen.

Festgelegt durch

Kein Gesetz; die Rasse Chianina ist im Rahmen der g.g.A. «Vitellone bianco dell'Appennino Centrale» geschützt.

Pastagericht · Rom, Latium, Italien

Cacio e pepe

Quellenlage mittel

Was dazugehört

  • Pecorino Romano, fein gerieben
  • schwarzer Pfeffer, frisch gemahlen oder geröstet
  • stärkehaltiges Pastawasser zum Binden
  • Pasta, klassisch Tonnarelli oder Spaghetti

Häufige Fehler

  • Butter, Öl oder Rahm zum Binden.
  • Käse in zu heisser Pfanne: er klumpt.

Woher der Name kommt

  • überliefert: Ein Gericht der Hirten, aus haltbaren Zutaten unterwegs gekocht.

Festgelegt durch

Kein Gesetz; römische Tradition. Der Käse Pecorino Romano ist DOP.

Zutaten im Lexikon: Pecorino, Pasta

Gebäck · Spanien

Churros (con chocolate)

Quellenlage niedrig

Was dazugehört

  • Brandteig-ähnlicher Teig aus Mehl, Wasser, Salz, durch eine Sterntülle gespritzt
  • in Öl frittiert

Oft dabei, aber kein Muss

  • mit dicker Trinkschokolade zum Tunken; Porras sind die dickere Form

Woher der Name kommt

  • Legende: Spanische Hirten hätten sie erfunden, weil sie kein Brot backen konnten; oder Portugiesen hätten das chinesische Youtiao mitgebracht. Beides ist nicht belegt.

Für diese Bezeichnung gibt es keine eindeutige Festlegung, darum steht hier keine Quelle.

Zutaten im Lexikon: Schokolade

Eintopf · Madrid, Spanien

Cocido madrileño

Quellenlage mittel

Was dazugehört

  • Kichererbsen
  • Fleisch (Rind, Huhn), Speck, Chorizo, Morcilla, Knochen
  • Gemüse (Kohl, Kartoffeln, Karotten)
  • serviert in drei «vuelcos»: zuerst die Brühe mit feinen Nudeln, dann Kichererbsen und Gemüse, dann das Fleisch

Woher der Name kommt

  • umstritten: Abgeleitet von der sephardischen «adafina», dem Sabbat-Eintopf; Schweinefleisch kam später hinzu.

Für diese Bezeichnung gibt es keine eindeutige Festlegung, darum steht hier keine Quelle.

Zutaten im Lexikon: Speck, Erbse, Karotte, Kartoffel, Pasta

Backware, Ostergebäck · Mailand (Industrie, 1930er Jahre), Italien

Colomba pasquale

Quellenlage hoch

Was dazugehört

  • natürliche Gärung mit Sauerteig
  • Taubenform
  • Eigelb mindestens 4 %
  • Butterfett mindestens 16 %
  • kandierte Zitrusschalen mindestens 15 %
  • Glasur aus Eiweiss und Zucker, Hagelzucker und mindestens 2 % Mandeln

Festgelegt durch

Italienisches Ministerialdekret vom 22.7.2005, Art. 3.

  • Ministero delle Attività Produttive (Italien), Decreto 22 luglio 2005, Disciplina della produzione e della vendita di taluni prodotti dolciari da forno (Gazzetta Ufficiale Nr. 177 vom 1.8.2005), geändert durch Decreto 16 maggio 2017

Zutaten im Lexikon: Mandel, Butter, Ei

Fleischgericht · Mailand, Italien

Costoletta (Cotoletta) alla milanese

Quellenlage mittel

Was dazugehört

  • Kalbskotelett vom Rücken mit Knochen, dick geschnitten (Angaben 2 bis 4 cm)
  • in Ei und Paniermehl gewendet, ohne Mehl
  • in (geklärter) Butter gebraten

Häufige Fehler

  • Öl oder Schweineschmalz statt Butter.
  • Mehl in der Panade (das ist die Wiener Reihenfolge).

Woher der Name kommt

  • umstritten: Ein Festmahl von 1134 für die Domherren von Sant'Ambrogio nenne «lumbolos cum panitio» (panierte Lendenstücke).
  • Legende: Radetzky habe sie nach Wien gebracht und daraus sei das Wiener Schnitzel geworden. Widerlegt (siehe Wiener Schnitzel).

Varianten und Ableitungen

Orecchia d'elefante
Ohne Knochen dünn geklopft und gross; der Wiener Art näher.

Festgelegt durch

Comune di Milano: Gemeindebezeichnung De.Co. für die «Costoletta alla milanese» (Beschluss vom 17.3.2008).

Zutaten im Lexikon: Kalbfleisch, Butter

Dessert · Katalonien, Spanien

Crema catalana (crema cremada)

Quellenlage mittel

Was dazugehört

  • Milch, Eigelb, Zucker, Maisstärke
  • mit Zitronenschale und Zimt aromatisiert
  • auf dem Herd gebunden, nicht im Wasserbad gebacken
  • Zuckerkruste mit glühendem Eisen gebrannt

Häufige Fehler

  • Gleichsetzen mit Crème brûlée: Diese wird mit Rahm im Ofen gebacken und meist mit Vanille aromatisiert.

Woher der Name kommt

  • umstritten: Ähnliche Cremes stehen in katalanischen Kochbüchern des Spätmittelalters; älter als die französische Crème brûlée.

Für diese Bezeichnung gibt es keine eindeutige Festlegung, darum steht hier keine Quelle.

Zutaten im Lexikon: Zitrone, Zimt, Ei

Eintopf · Asturien, Spanien

Fabada asturiana

Quellenlage mittel

Was dazugehört

  • Fabes (grosse weisse Bohnen, Faba Asturiana g.g.A.)
  • Compango: Chorizo, Morcilla (Blutwurst), Lacón oder Panceta
  • Safran oder Paprikapulver

Festgelegt durch

Geschützt sind die Bohnen (Faba Asturiana g.g.A.), nicht der Eintopf.

Zutaten im Lexikon: Safran

Pastagericht · Rom, Restaurant Alfredo, Italien, um 1908 bis 1914

Fettuccine all'Alfredo

Quellenlage mittel

Was dazugehört

  • frische Fettuccine
  • viel Butter
  • Parmigiano Reggiano

Häufige Fehler

  • Rahm, Knoblauch, Poulet: amerikanische Abwandlung; in Italien kennt man das Gericht vor allem als «fettuccine al burro».

Woher der Name kommt

  • überliefert: Alfredo Di Lelio verfeinerte die alte «fettuccine al burro» für seine Frau nach einer Geburt; berühmt wurde das Gericht durch die Schauspieler Mary Pickford und Douglas Fairbanks in den 1920er-Jahren.

Festgelegt durch

Restaurant Alfredo di Roma (Alfredo Di Lelio).

Zutaten im Lexikon: Parmesan, Butter

Kalte Suppe · Andalusien, Spanien

Gazpacho andaluz

Quellenlage mittel

Was dazugehört

  • reife Tomaten
  • Gurke
  • Peperoni (grün)
  • Knoblauch
  • altbackenes Brot
  • Olivenöl
  • Essig (Sherry-Essig)
  • Salz
  • roh püriert, kalt serviert

Woher der Name kommt

  • überliefert: Ältere Gazpachos ohne Tomate (Brot, Öl, Essig, Knoblauch) gehen auf die Zeit vor der Ankunft der Tomate aus Amerika zurück; die rote Form setzte sich im 19. Jahrhundert durch.

Varianten und Ableitungen

Salmorejo cordobés
Dicker: Tomate, viel Brot, Öl, Knoblauch, Salz; ohne Gurke und Peperoni; mit Rohschinken und gehacktem Ei.
Ajoblanco
Weisse kalte Suppe aus Mandeln, Brot, Knoblauch, Öl; mit Trauben.

Für diese Bezeichnung gibt es keine eindeutige Festlegung, darum steht hier keine Quelle.

Zutaten im Lexikon: Gurke, Tomate, Knoblauch

Kalte Vorspeise · Capri, Kampanien, Italien, 20. Jahrhundert

Insalata Caprese

Quellenlage mittel

Was dazugehört

  • Tomaten
  • Mozzarella (Fior di latte oder di Bufala)
  • frisches Basilikum
  • Olivenöl extra vergine
  • Salz

Häufige Fehler

  • Balsamicoessig: gehört nicht zur Caprese.

Woher der Name kommt

  • umstritten: Erfunden in den 1920er-Jahren in Capri für die Futuristen um Marinetti, als Gegenentwurf zur Pasta.

Für diese Bezeichnung gibt es keine eindeutige Festlegung, darum steht hier keine Quelle.

Zutaten im Lexikon: Mozzarella, Basilikum, Tomate

Pastagericht, Auflauf · Bologna, Italien

Lasagne alla bolognese

Quellenlage mittel

Was dazugehört

  • grüne Teigblätter (Eierteig mit Spinat)
  • Ragù alla bolognese
  • Béchamel (Besciamella)
  • Parmigiano Reggiano

Häufige Fehler

  • helle Teigblätter und Mozzarella: andere, eher süditalienische Lasagne.

Festgelegt durch

Hinterlegte Referenz einer italienischen Kochvereinigung in Bologna. Kein Gesetz.

Zutaten im Lexikon: Parmesan, Spinat

Schmorgericht · Mailand, Lombardei, Italien

Ossobuco alla milanese

Quellenlage mittel

Was dazugehört

  • Kalbshaxe quer zum Knochen in Scheiben, mit Mark («osso buco»: Knochen mit Loch)
  • angebraten und in Weisswein und Brühe geschmort
  • Gremolata zum Schluss: Zitronenschale, Petersilie, Knoblauch

Dazu: Risotto alla milanese

Varianten und Ableitungen

in bianco (ältere Mailänder Form)
Ohne Tomate.
Artusi 1891
Mit Tomatensauce oder -konserve; zum Schluss Zitronenschale und Petersilie in die Sauce. Artusi überlässt das Gericht ausdrücklich «den Mailändern».

Festgelegt durch

Kein Gesetz.

  • 1891, Pellegrino Artusi, La scienza in cucina e l'arte di mangiar bene (Erstausgabe 1891; Volltext nach der 25. Auflage), Nr. 358 «Osso buco»

Zutaten im Lexikon: Kalbfleisch, Weisswein, Zitrone, Knoblauch, Petersilie

Reisgericht · Valencia, Huerta und Albufera, Spanien

Paella valenciana

Quellenlage mittel

Was dazugehört

  • Reis (meist Denominación de Origen Arroz de Valencia)
  • Poulet
  • Kaninchen
  • Ferraúra (breite grüne Bohnen)
  • Garrofó (grosse weisse Limabohnen)
  • Olivenöl
  • Tomate
  • Wasser
  • Safran
  • Salz

Oft dabei, aber kein Muss

  • Paprikapulver
  • Rosmarin
  • Schnecken (je nach Saison)
  • Socarrat: die leicht angeröstete Reisschicht am Boden
  • über Holzfeuer in der flachen Pfanne (paella = Pfanne)

Häufige Fehler

  • Chorizo, Erbsen, Zwiebel oder Meeresfrüchte unter dem Namen «valenciana».
  • Umrühren wie beim Risotto.

Woher der Name kommt

  • überliefert: Entstanden als Feldarbeiter-Essen in der Huerta um die Albufera, mit dem, was zur Hand war (Kaninchen, Poulet, Bohnen, Schnecken).

Varianten und Ableitungen

Paella de marisco
Mit Meeresfrüchten; eigene Paella, nicht «valenciana».

Festgelegt durch

Decreto 176/2021 der Generalitat Valenciana: Bien de Interés Cultural Inmaterial («el arte de unir y compartir»). Das Dekret schützt die Tradition, legt aber ausdrücklich kein Rezept fest. Die zehn Zutaten gehen auf Erhebungen der Initiative Wikipaella und des Consejo Regulador Arroz de Valencia zurück.

  • Generalitat Valenciana; Boletín Oficial del Estado, Decreto 176/2021, de 29 de octubre, del Consell: declaración de bien de interés cultural inmaterial de «la paella valenciana, el arte de unir y compartir» (BOE-A-2022-4133, 15.3.2022)

Zutaten im Lexikon: Safran, Kaninchen, Poulet, Tomate, Reis

Backware, Festgebäck · Verona, Italien

Pandoro

Quellenlage hoch

Was dazugehört

  • natürliche Gärung mit Sauerteig
  • Kegelstumpf mit achtzackigem Stern als Querschnitt, ohne Kruste
  • Eigelb mindestens 4 %
  • Butterfett mindestens 20 %
  • Vanillearoma
  • Salz

Oft dabei, aber kein Muss

  • Puderzucker zum Bestäuben

Festgelegt durch

Italienisches Ministerialdekret vom 22.7.2005, Art. 2.

  • Ministero delle Attività Produttive (Italien), Decreto 22 luglio 2005, Disciplina della produzione e della vendita di taluni prodotti dolciari da forno (Gazzetta Ufficiale Nr. 177 vom 1.8.2005), geändert durch Decreto 16 maggio 2017

Zutaten im Lexikon: Vanille, Butter, Ei

Backware, Festgebäck · Mailand, Italien

Panettone

Quellenlage hoch

Was dazugehört

  • natürliche Gärung mit Sauerteig (pasta acida)
  • Weizenmehl, Zucker
  • Eier der Kategorie A oder Eigelb: mindestens 4 % Eigelb
  • Butterfett: mindestens 16 %
  • Sultaninen und kandierte Zitrusschalen: zusammen mindestens 20 %
  • Salz
  • runder Boden, aufgerissene und eingeschnittene Kruste

Gut zu wissen

  • In Italien nur bei Einhaltung des Dekrets; Hefe bis 1 % zusätzlich erlaubt. Ausnahmen für glutenfreie Produkte seit 2017.

Woher der Name kommt

  • Legende: Am Hof von Ludovico il Moro sei ein Kuchen verbrannt; der Küchenjunge Toni habe einen Ersatz gebacken, den «pan de Toni».

Festgelegt durch

Italienisches Ministerialdekret vom 22.7.2005, Art. 1 (Bezeichnung «panettone» geschützt), geändert 2017.

  • Ministero delle Attività Produttive (Italien), Decreto 22 luglio 2005, Disciplina della produzione e della vendita di taluni prodotti dolciari da forno (Gazzetta Ufficiale Nr. 177 vom 1.8.2005), geändert durch Decreto 16 maggio 2017

Zutaten im Lexikon: Pasta, Butter, Ei

Dessert · Piemont, Italien

Panna cotta

Quellenlage niedrig

Was dazugehört

  • Rahm, Zucker, Gelatine
  • gestürzt serviert

Oft dabei, aber kein Muss

  • Vanille; Beerensauce oder Karamell

Für diese Bezeichnung gibt es keine eindeutige Festlegung, darum steht hier keine Quelle.

Zutaten im Lexikon: Vanille, Rahm

Kalte Sauce · Genua, Ligurien, Italien, gedruckt 1863 (Ratto, «La Cuciniera genovese»)

Pesto alla genovese

Quellenlage mittel

Was dazugehört

  • Basilikum (Basilico Genovese DOP)
  • Olivenöl extra vergine
  • Pinienkerne
  • Knoblauch
  • Parmigiano Reggiano oder Grana Padano und Pecorino (Fiore Sardo oder Romano)
  • grobes Salz

Oft dabei, aber kein Muss

  • im Marmormörser mit Holzpistill
  • zu Trofie oder Trenette, oft mit Kartoffeln und grünen Bohnen

Festgelegt durch

Geschützt ist das Basilikum (Basilico Genovese DOP), nicht das Pesto. Die Zusammensetzung beschreibt eine private Vereinigung, kein Gesetz.

Zutaten im Lexikon: Parmesan, Pecorino, Basilikum, Kartoffel, Knoblauch

Backware, Pizza · Neapel, Kampanien, Italien, laut Spezifikation erste Belege 1715 bis 1725

Pizza Napoletana

Quellenlage hoch

Was dazugehört

  • Teig nur aus Weichweizenmehl, Bierhefe, Trinkwasser, Meer- oder Kochsalz
  • Teigling 180 bis 250 g; erste Gare 2 Stunden, zweite Gare 4 bis 6 Stunden
  • nur von Hand geformt; Nudelholz und Teigpresse ausdrücklich verboten
  • rund, höchstens 35 cm Durchmesser, Mitte 0,4 cm dick, erhöhter Rand (cornicione) 1 bis 2 cm
  • nur im Holzofen, Boden rund 485 °C, Gewölbe rund 430 °C, 60 bis 90 Sekunden

Häufige Fehler

  • Teig mit Nudelholz ausrollen.
  • Elektro- oder Gasofen unter der Bezeichnung STG.
  • Margherita mit beliebigem Käse statt Büffelmozzarella DOP oder Mozzarella STG.

Gut zu wissen

  • Geschützt ist die Bezeichnung mit dem Zusatz STG bzw. g.t.S.; «Pizza napoletana» allein ist als Rezeptname weiter frei. Private Regeln von Pizzaiolo-Vereinigungen gehen teils weiter, sind aber kein Gesetz.

Woher der Name kommt

  • belegt: Die Spezifikation nennt Vincenzo Corrado (Tomate auf Pizza und Makkaroni), die Marinara 1734 und die Margherita 1796 bis 1810. (Europäische Kommission)
  • umstritten: 1889 sei die Margherita in den Farben der italienischen Flagge der Königin Margherita bei ihrem Besuch in Neapel serviert worden. Die Spezifikation erwähnt den Besuch; die verbreitete Zuschreibung an den Pizzaiolo Raffaele Esposito (Pizzeria Brandi) und der dazu gezeigte Dankesbrief des Hofes sind in der Forschung umstritten.

Varianten und Ableitungen

Marinara
70 bis 100 g geschälte, zerdrückte Tomaten, Knoblauch, Oregano, 4 bis 5 g Olivenöl extra vergine; kein Käse. Laut Spezifikation 1734 entstanden.
Margherita
60 bis 80 g Tomaten, 80 bis 100 g Mozzarella di Bufala Campana DOP oder Mozzarella STG in Scheiben, frisches Basilikum, Olivenöl extra vergine. Laut Spezifikation 1796 bis 1810 entstanden.

Festgelegt durch

EU-Verordnung 97/2010 (garantiert traditionelle Spezialität). Die Bezeichnung «Pizza Napoletana STG» darf nur verwenden, wer die Spezifikation einhält; die Herkunft aus Neapel ist nicht vorgeschrieben.

  • Europäische Kommission, Verordnung (EU) Nr. 97/2010 vom 4.2.2010, Eintragung «Pizza Napoletana» als garantiert traditionelle Spezialität (g.t.S./STG), Anhang II Spezifikation

Meeresfrüchte · Galicien, Spanien

Pulpo á feira (pulpo a la gallega)

Quellenlage mittel

Was dazugehört

  • Krake, gekocht (traditionell im Kupferkessel)
  • in Scheiben mit der Schere geschnitten
  • grobes Salz, Pimentón (süss und/oder scharf), Olivenöl
  • auf dem Holzteller serviert

Oft dabei, aber kein Muss

  • Kartoffeln (cachelos)

Woher der Name kommt

  • überliefert: Gericht der Jahrmärkte (feira), von den pulpeiras gekocht; bekannt ist das Fest von O Carballiño.

Für diese Bezeichnung gibt es keine eindeutige Festlegung, darum steht hier keine Quelle.

Zutaten im Lexikon: Kartoffel

Fleischsauce · Bologna, Emilia-Romagna, Italien

Ragù alla bolognese

Quellenlage hoch

Was dazugehört

  • Rindfleisch (bis 2023 «cartella», seither gemischtes Hack zugelassen)
  • Pancetta
  • Soffritto aus Karotte, Stangensellerie, Zwiebel
  • Tomate (Passata und/oder Konzentrat)
  • trockener Weisswein
  • Vollmilch
  • Brühe, Salz, Pfeffer

Oft dabei, aber kein Muss

  • Rahm (fakultativ)
  • zu Tagliatelle oder in Lasagne, nicht zu Spaghetti

Häufige Fehler

  • «Spaghetti Bolognese»: in Bologna gehören Tagliatelle dazu.
  • Knoblauch, Kräuter, Rotwein in der Referenzfassung nicht vorgesehen.
  • zu kurze Garzeit

Woher der Name kommt

  • belegt: Eine italienische Kochvereinigung hat 1982 und 2023 die in Bologna übliche Zubereitung erhoben und als Referenz hinterlegt. (Camera di Commercio di Bologna)

Varianten und Ableitungen

Artusi 1891
«Maccheroni alla bolognese»: mageres Kalbfleisch, Carnesecca (Speck), Butter, Zwiebel, Karotte, Sellerie, eine Prise Mehl, Brühe, Muskat; ohne Tomate. Wahlweise Pilze, Trüffel, Geflügelleber oder ein halbes Glas Rahm.

Festgelegt durch

Private Referenz einer italienischen Kochvereinigung: Rezept am 17.10.1982 bei der Handelskammer Bologna hinterlegt, erneuerte Fassung 2023. Eine Empfehlung, kein Gesetz.

  • Camera di Commercio di Bologna, Comunicato stampa: deposito della rinnovata ricetta del vero Ragù alla bolognese (20.4.2023)
  • 1891, Pellegrino Artusi, La scienza in cucina e l'arte di mangiar bene (Erstausgabe 1891; Volltext nach der 25. Auflage), Nr. 87 «Maccheroni alla bolognese»

Zutaten im Lexikon: Rindfleisch, Speck, Weisswein, Karotte, Sellerie, Tomate

Reisgericht · Mailand, Lombardei, Italien

Risotto alla milanese

Quellenlage mittel

Was dazugehört

  • Risottoreis
  • Butter
  • Zwiebel
  • Safran
  • Brühe
  • Parmesan

Oft dabei, aber kein Muss

  • Rindermark
  • Weisswein
  • als Beilage zu Ossobuco (eine der wenigen Ausnahmen, in denen Risotto Beilage ist)

Woher der Name kommt

  • Legende: 1574 habe ein Glasmaler-Lehrling am Mailänder Dom, wegen seiner Vorliebe für Safran «Zafferano» genannt, bei der Hochzeit der Tochter seines Meisters Safran in den Reis gegeben.

Varianten und Ableitungen

Artusi I, II, III
Artusi gibt drei Fassungen: I mit Reis, Butter, Safran, Zwiebel und Brühe; II mit Rindermark und Weisswein; III als weitere Variante.

Festgelegt durch

Kein Gesetz; Artusi 1891 als frühe gedruckte Referenz.

  • 1891, Pellegrino Artusi, La scienza in cucina e l'arte di mangiar bene (Erstausgabe 1891; Volltext nach der 25. Auflage), Nr. 78 «Risotto alla milanese I»

Zutaten im Lexikon: Safran, Parmesan, Weisswein, Reis, Zwiebel, Butter

Fleischgericht · Rom, Italien

Saltimbocca alla romana

Quellenlage hoch

Was dazugehört

  • dünne Kalbsplätzchen (Milchkalb), leicht gesalzen und gepfeffert
  • ein halbes Salbeiblatt
  • eine Scheibe Rohschinken
  • mit Zahnstocher zusammengesteckt, in Butter sautiert, auf der Schinkenseite nur kurz

Oft dabei, aber kein Muss

  • mit Weisswein ablöschen

Häufige Fehler

  • gerollt statt flach (das sind Involtini).
  • ein ganzes Salbeiblatt: «una intera sarebbe di troppo» (Artusi).

Woher der Name kommt

  • belegt: Artusi beschreibt sie, wie er sie in Rom in der Trattoria «Le Venete» gegessen hat. (Pellegrino Artusi, Nr. 222 «Saltimbocca alla romana»)

Festgelegt durch

Kein Gesetz; Artusi 1891 als frühe gedruckte Referenz.

  • 1891, Pellegrino Artusi, La scienza in cucina e l'arte di mangiar bene (Erstausgabe 1891; Volltext nach der 25. Auflage), Nr. 222 «Saltimbocca alla romana»

Zutaten im Lexikon: Kalbfleisch, Schinken, Weisswein, Butter

Pastagericht · Rom, Latium, Italien, Mitte 20. Jahrhundert; erste Rezepte 1952 (USA) und 1954 (Italien)

Spaghetti alla carbonara

Quellenlage mittel

Was dazugehört

  • Guanciale
  • Eigelb oder ganze Eier
  • Pecorino Romano
  • schwarzer Pfeffer
  • Pasta (meist Spaghetti oder Rigatoni)

Oft dabei, aber kein Muss

  • ein Teil Parmigiano Reggiano zum Pecorino

Häufige Fehler

  • Rahm: gehört nicht hinein; die Cremigkeit kommt aus Ei, Käse und Pastawasser.
  • Ei in der heissen Pfanne stocken lassen (Rührei).
  • Zwiebel, Knoblauch, Speckwürfel aus dem Rauch.

Woher der Name kommt

  • umstritten: Amerikanische Soldaten hätten 1944 in Rom Speck und Eipulver aus ihren Rationen mitgebracht.
  • Legende: Benannt nach den Köhlern (carbonai) des Apennins, die ein ähnliches Gericht aus «cacio e ova» kochten; der schwarze Pfeffer erinnere an Kohlenstaub.

Varianten und Ableitungen

frühe Fassung 1954
Die erste italienische Veröffentlichung (La Cucina Italiana, August 1954) nennt Pancetta, Gruyère, Knoblauch und Eier. Die heutige römische Form mit Guanciale und Pecorino hat sich erst später festgesetzt.

Festgelegt durch

Kein Gesetz und keine hinterlegte Rezeptur gefunden. Massgeblich ist die römische Praxis.

Zutaten im Lexikon: Speck, Parmesan, Pecorino, Pasta, Ei

Pasta · Bologna, Italien

Tagliatelle (alla bolognese)

Quellenlage mittel

Was dazugehört

  • Eierteig aus Weichweizenmehl und Eiern, von Hand ausgewallt
  • Breite nach der hinterlegten Referenz: rund 8 mm gekocht (rund 7 mm roh)

Woher der Name kommt

  • Legende: Ein Hofkoch habe die Tagliatelle 1487 zur Hochzeit von Lucrezia Borgia erfunden, inspiriert von ihrem blonden Haar. Eine Erfindung des Humoristen Augusto Majani von 1931.

Festgelegt durch

Handelskammer Bologna, 1972, auf Anregung einer italienischen Kochvereinigung: Massstab der «tagliatella d'oro», der 12'270. Teil der Höhe des Asinelli-Turms.

Zutaten im Lexikon: Pasta

Dessert · Venetien (Treviso) oder Friaul (Tolmezzo), umstritten, Italien, 1950er bis 1970er Jahre

Tiramisù

Quellenlage mittel

Was dazugehört

  • Savoiardi (Löffelbiskuits), in Kaffee getränkt
  • Creme aus Mascarpone, Eigelb und Zucker
  • Kakaopulver

Oft dabei, aber kein Muss

  • geschlagenes Eiweiss in der Creme

Häufige Fehler

  • Rahm statt Mascarpone.
  • Biskuitboden statt Savoiardi.

Woher der Name kommt

  • umstritten: Treviso: Restaurant «Le Beccherie» (Familie Campeol) mit Koch Roberto Linguanotto, späte 1960er Jahre, oft 1972 genannt.
  • umstritten: Friaul: Norma Pielli im Albergo Roma in Tolmezzo in den 1950er Jahren; 2017 wurde Tiramisù auf die Liste der traditionellen Produkte (PAT) Friauls gesetzt, was Venetien als Anmassung kritisierte.

Varianten und Ableitungen

ohne Alkohol (Treviso)
Die Fassung der Beccherie kommt ohne Likör aus; Marsala oder Amaretto sind spätere Zusätze.

Für diese Bezeichnung gibt es keine eindeutige Festlegung, darum steht hier keine Quelle.

Zutaten im Lexikon: Schokolade, Mascarpone, Ei

Gefüllte Pasta · Bologna, Emilia-Romagna, Italien

Tortellini (alla bolognese, in brodo)

Quellenlage hoch

Was dazugehört

  • Füllung nach der Hinterlegung 1974: Schweinslende (in Butter angebraten), roher Schinken, Mortadella di Bologna, Parmigiano Reggiano, Ei, Muskatnuss
  • dünner Eierteig, von Hand geformt
  • klassisch in Kapaun- oder Rindsbrühe (in brodo)

Häufige Fehler

  • Tortellini mit Rahmsauce: in Bologna in brodo.
  • Verwechslung mit Tortelloni (grösser, Ricotta-Füllung).

Woher der Name kommt

  • Legende: Ein Wirt in Castelfranco Emilia habe den Nabel der Venus durchs Schlüsselloch gesehen und in Teig nachgeformt (nach einem komischen Gedicht des 19. Jahrhunderts).

Varianten und Ableitungen

Artusi 1891
Füllung aus Schinken, Mortadella, Rindsmark, Parmesan, Ei, Muskat; «Salz und Pfeffer: keine».

Festgelegt durch

Rezept der Füllung, am 7.12.1974 von zwei Bologneser Vereinigungen bei der Handelskammer Bologna hinterlegt. Private Referenz, kein Gesetz.

  • Comune di Bologna, Kulturportal, Il tortellino bolognese (2021)
  • 1891, Pellegrino Artusi, La scienza in cucina e l'arte di mangiar bene (Erstausgabe 1891; Volltext nach der 25. Auflage), Nr. 9 «Tortellini alla bolognese»

Zutaten im Lexikon: Rindfleisch, Schinken, Parmesan, Muskatnuss, Butter

Eiergericht · Spanien, schriftlich ab Anfang 19. Jahrhundert

Tortilla de patatas (tortilla española)

Quellenlage mittel

Was dazugehört

  • Kartoffeln, in reichlich Olivenöl langsam gegart
  • Eier
  • Salz
  • in der Pfanne gestockt und gewendet

Woher der Name kommt

  • Legende: General Zumalacárregui habe sie während der Belagerung von Bilbao 1835 als schnelles Soldatenessen erfunden.
  • überliefert: Frühe schriftliche Erwähnung 1817 in einer Eingabe an die Cortes von Navarra.

Varianten und Ableitungen

con cebolla / sin cebolla
Mit oder ohne Zwiebel: der bekannteste Streit der spanischen Küche; beide sind verbreitet.

Für diese Bezeichnung gibt es keine eindeutige Festlegung, darum steht hier keine Quelle.

Zutaten im Lexikon: Kartoffel, Ei

Kalte Vorspeise · Piemont, Italien

Vitello tonnato (vitel tonnè)

Quellenlage hoch

Was dazugehört

  • Kalbfleisch (Nuss oder Unterschale), mit Sardellen gespickt, in Gemüsesud gekocht, kalt in dünnen Scheiben
  • Sauce aus Thunfisch in Öl, Sardellen, Olivenöl, Zitronensaft, Kapern

Varianten und Ableitungen

moderne Fassung
Sauce mit Mayonnaise oder Eigelb gebunden. Artusi kennt keine Mayonnaise; er lässt das Fleisch ein bis zwei Tage in der Sauce ziehen.

Festgelegt durch

Kein Gesetz.

  • 1891, Pellegrino Artusi, La scienza in cucina e l'arte di mangiar bene (Erstausgabe 1891; Volltext nach der 25. Auflage), Nr. 363 «Vitello tonnato»

Zutaten im Lexikon: Thunfisch, Sardelle, Kalbfleisch, Zitrone

Dessert · Emilia-Romagna, Toskana, Italien

Zuppa inglese

Quellenlage mittel

Was dazugehört

  • Biskuit oder Savoiardi, mit Alchermes (roter Likör) getränkt
  • Vanille- und Schokoladencreme in Schichten

Woher der Name kommt

  • umstritten: Der Name verweise auf den englischen Trifle; die Herkunft ist ungeklärt.

Festgelegt durch

Kein Gesetz; Artusi 1891 als frühe gedruckte Referenz.

  • 1891, Pellegrino Artusi, La scienza in cucina e l'arte di mangiar bene (Erstausgabe 1891; Volltext nach der 25. Auflage), Nr. 675 «Zuppa inglese»

Zutaten im Lexikon: Vanille, Schokolade