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Screening Mangelernährung, Spital

In den ersten Stunden nach einem Spitaleintritt ist selten Zeit für eine ausführliche Ernährungsabklärung, und trotzdem entscheidet sich oft genau in diesem Fenster, ob ein Risiko überhaupt erkannt wird.

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Mangelernährung entwickelt sich selten plötzlich, sie schleicht sich über Wochen ein, oft unbemerkt, weil ein Gewichtsverlust unter der Kleidung kaum auffällt und ein verminderter Appetit zunächst als Nebensache der eigentlichen Erkrankung gilt. Ein systematisches Screening bei Eintritt macht sichtbar, was sonst erst auffällt, wenn bereits Muskelmasse und Kraft spürbar abgebaut sind. In Schweizer Spitälern hat sich dafür das Nutritional Risk Screening 2002, kurz NRS 2002, etabliert, ein Instrument nach Kondrup, das von der European Society for Clinical Nutrition and Metabolism und von der GESKES, der Schweizerischen Gesellschaft für Klinische Ernährung, empfohlen wird.

Ein kurzes Vorscreening als Filter

Das NRS 2002 beginnt mit einem knappen Vorscreening aus wenigen einfachen Fragen, unter anderem zu Körpergewicht, ungewolltem Gewichtsverlust in den letzten Monaten, verminderter Nahrungsaufnahme in der vergangenen Woche und zur Schwere der akuten Erkrankung. Wird auch nur eine dieser Fragen bejaht, folgt das ausführlichere Hauptscreening. Werden alle verneint, gilt aktuell kein erhöhtes Risiko, wobei eine erneute Prüfung nach einem gewissen Intervall trotzdem sinnvoll bleibt, weil sich der Zustand während eines Spitalaufenthalts rasch ändern kann.

Was das Hauptscreening zusammenzählt

Im Hauptscreening fliessen zwei Einschätzungen in einen Gesamtscore ein: wie stark der Ernährungszustand bereits beeinträchtigt ist, etwa durch Gewichtsverlust oder reduzierte Nahrungsaufnahme, und wie schwer die zugrunde liegende Erkrankung den Nährstoffbedarf erhöht, von einer einfachen Operation bis zu einer Situation auf der Intensivstation. Bei älteren Patientinnen und Patienten kommt eine zusätzliche Alterskorrektur dazu, weil ein höheres Alter das Risiko einer Mangelernährung unabhängig von Diagnose und Gewicht erhöht. Diese Verbindung aus Ernährungszustand, Krankheitsschwere und Alter macht aus zwei Einzelwerten eine gemeinsame Einschätzung, die weder Gewicht noch Diagnose allein liefern könnte.

Ein Score ist ein Anhaltspunkt, keine Diagnose

Überschreitet der Gesamtscore einen bestimmten Schwellenwert, gilt das im NRS 2002 als Anhaltspunkt für ein relevantes Ernährungsrisiko, das eine gezielte Ernährungstherapie nahelegt. Das Screening selbst stellt aber keine ernährungsmedizinische Diagnose, sondern filtert vor, wer eine vertiefte Beurteilung durch die Ernährungsberatung braucht. Diese Unterscheidung ist wichtig: Ein auffälliger Score bedeutet nicht automatisch eine bestehende Mangelernährung, sondern ein Risiko, das eine fachliche Einschätzung wert ist.

Wo die Küche mit ins Bild kommt

Für die Küche selbst ist nicht der Rechenweg entscheidend, sondern das Ergebnis: Sobald ein Screening ein Risiko anzeigt und daraus eine Kostform mit angepasster Energie- oder Eiweisszufuhr wird, muss diese Information so in der Küche ankommen, dass sie nicht erst tags darauf umgesetzt wird. Wie eine solche Verordnung von der Ernährungsberatung oder der Ärztin an die Küche gelangt, beschreibt die Diätverordnung.

Nicht die einzige Situation, in der gescreent wird

Das NRS 2002 ist auf die Akutsituation im Spital zugeschnitten, mit ihren raschen Veränderungen und ihrer meist kürzeren Aufenthaltsdauer. Im Alters- und Pflegeheim, wo Bewohnerinnen und Bewohner oft über Monate oder Jahre begleitet werden und Mangelernährung eher schleichend als akut verläuft, kommt stattdessen meist ein anderes, dafür passenderes Instrument zum Einsatz, wie es das Screening Mangelernährung im Heim beschreibt. Wer beide Situationen mit demselben Werkzeug abdecken will, wählt meist ein Werkzeug, das für keine der beiden wirklich passt.

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