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Saisonkalender Schweiz richtig lesen: Was saisonal heisst

September 20264 Min. Lesezeit
Frisches Gemüse mit handgeschriebenen Preisschildern auf einem Marktstand

Ein Schweizer Saisonkalender zeigt, wann Gemüse, Früchte und Kräuter aus Schweizer Anbau erhältlich sind. Saisonal heisst dabei nicht nur frisch vom Feld: Erntezeit, Region, Anbauform, Lagerung und Import bestimmen, was wann im Handel liegt. Der Saisonkalender von Aromakompass trennt deshalb die frische Schweizer Freilandsaison von Ware, die aus dem Gewächshaus, aus dem Lager oder aus kurzen Importfenstern stammt. Wer diesen Unterschied kennt, liest jede Monatsliste richtig.

Was bedeutet saisonal?

Ein Produkt ist saisonal, wenn es typischerweise in einem bestimmten Zeitraum aus regionalem oder natürlichem Anbau verfügbar ist. Bei Schweizer Produkten können sich Zeiträume je nach Region, Höhenlage, Wetter und Anbauform unterscheiden. Lagergemüse ist ein gutes Beispiel: Das Produkt wurde früher geerntet, kann aber Monate später weiterhin aus Schweizer Produktion verfügbar sein. Saison und Frische sind deshalb nicht dasselbe. Warum es zum Beispiel Schweizer Äpfel dank CA-Lager fast das ganze Jahr gibt, erklärt die Warenkunde Obst und Gemüse.

Freiland, Gewächshaus oder Lager: Wo liegt der Unterschied?

Freilandgemüse wächst unter freiem Himmel und hat Saison, wenn Wetter und Boden es zulassen. Laut dem Agrarbericht des Bundesamts für Landwirtschaft wuchs 2024 in der Schweiz auf 13’627 Hektaren Freilandgemüse, auf 895 Hektaren Gemüse im Gewächshaus. Unter Glas stehen vor allem Nüsslisalat, Radieschen, Salatgurken, Kopfsalat und Rispentomaten, geschützt vor Wetter und Kälte und deshalb früher oder länger erhältlich. Lagerware wird dagegen zur Erntezeit eingebracht und kühl aufbewahrt. Bei Äpfeln hat die Schweiz ab den 1960er-Jahren das CA-Lager eingeführt, in dem wenig Sauerstoff und mehr Kohlendioxid die Atmung der Früchte bremsen, wie Agroscope beschreibt. Rüebli und Zwiebeln, die zu den meistangebauten Freilandgemüsen gehören, bleiben so bis weit ins nächste Jahr als Schweizer Ware im Handel.

Wie liest man den Saisonkalender richtig?

Jede Monatsseite hat zwei Listen. Oben steht die frische Schweizer Saison, also Produkte aus dem Freiland, direkt vom Feld oder nur kurz zwischengelagert. Darunter folgt, was zusätzlich im Handel verfügbar ist: aus dem Gewächshaus, aus dem Langlager oder aus kurzen Importfenstern. Ein Beispiel sind Rüebli: Im Oktober stehen sie bei der frischen Saison, im Januar bei den verfügbaren Produkten, weil sie dann aus dem Lager kommen. Schon das älteste bekannte Rezept für Karotten Vichy von 1886 verlangt junge Rüebli, frisch und nicht aus dem Lager. Tomaten erscheinen ab April als verfügbar, frisch aus dem Freiland gelten sie von Juni bis Oktober. Die Übersicht aller Monate zeigt für jeden Monat, wie viele Produkte frisch und wie viele verfügbar sind. Wer frisch und regional einkaufen will, hält sich an die erste Liste. Wer im Winter Schweizer Ware sucht, findet sie oft in der zweiten. Wie sich aus beiden Listen im November ein Apéro zusammenstellen lässt, zeigt der Beitrag zu saisonalen Canapés im Herbst und Winter.

Die vier Jahreszeiten im Überblick

Grob gilt: Der Frühling bringt Kräuter, Spargel und erste Salate mit grünen, frischen Aromarichtungen. Der Sommer liefert die grösste Vielfalt, von Beeren über Tomaten bis Zucchetti. Der Herbst bringt Kürbis, Pilze und Wurzelgemüse mit erdigeren, kräftigeren Noten, wie der Beitrag Schweizer Herbst kombinieren zeigt. Der Winter setzt auf Lagergemüse wie Rüebli, Lauch und Kohl. Den genauen Stand nach Monat und Zutat zeigt der Kalender selbst mit über 100 Produkten, dieser Beitrag bleibt bewusst auf der Ebene der Einordnung. Wie sich Wurzel-, Blatt- und Fruchtgemüse übers Jahr verteilen, zeigt der Gemüse-Saisonkalender für die Küche.

Saison und Herkunft trennen

Ein Produkt kann saisonal und trotzdem importiert sein. Wer für ein Schweizer Menü plant, sollte deshalb zwei Fragen stellen: Ist das Produkt saisonal? Und woher stammt es? Für die Gastronomie kommen zusätzlich Verfügbarkeit, Einkauf, Preis, Lagerfähigkeit und Qualität hinzu. Diese Trennung ist der Grund, warum ein Produkt im Kalender auftauchen kann und trotzdem nicht automatisch aus der Schweiz stammt. Wie gross der Importanteil ist, zeigt der Agrarbericht zum Gemüse: Bei den Gemüsearten, die auch hierzulande wachsen, stammten 2024 knapp 59 Prozent der Menge aus Schweizer Produktion. Ein Beispiel ist die Orange, die im Winter Saison hat, aber in Südeuropa wächst, wie der Beitrag Welche Aromen passen zu Orange? zeigt. In welchen Monaten eine Zutat im Schweizer Laden meist günstiger ist, zeigt das Saisonprofil im Preisradar.

Saison mit Aromawissen verbinden

Ein Saisonkalender liefert den Ausgangspunkt, danach lässt sich das Aromaprofil des Produkts untersuchen. Saisonprodukt auswählen, Aromatik über die Pairing-Suche analysieren, Kombinationen entwickeln und anschliessend sensorisch testen: Genau hier kann Aromakompass die klassische Saisonplanung ergänzen. Warum saisonale Zutaten oft intensiver schmecken, erklärt ausserdem der Beitrag Saisonal kochen.

Fazit

Ein Saisonkalender ist ein nützliches Werkzeug, aber erst das Verständnis von Reife, Herkunft und Lagerung macht daraus eine fundierte Einkaufs- und Planungsgrundlage. Für die Schweizer Gastronomie bedeutet das, Produkte, Verfügbarkeit und Aromatik gemeinsam zu betrachten, statt nur eine Liste abzuhaken. Die dazugehörige Warenkunde findet sich, gegliedert nach Ausbildungsstufe, in der Fachkunde Warenkunde.

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